Die seltensten Tiere der Welt

Die Seltenheit von Tieren ist ein wichtiges, jedoch gleichermaßen schwieriges Thema. Durch Lebensraumzerstörung und Jagd werden viele Tierarten zunehmend seltener. Dies fällt meistens bei großen Wirbeltieren auf, denn Arten wie Tigern, Nashörnern, Gorillas und einer Vielzahl von Vögeln wird von der Öffentlichkeit und von den Medien wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als kleinen und unbedeutend erscheinenden Tieren. Doch dies ist ein sehr großer Fehler und missachtet den Kern des Problems des Artensterbens.

Klassifizierung der Gefährdung laut IUCN

Die IUCN, die International Union for Conservation of Nature, ist eine Organisation, welche sich zum Ziel gesetzt hat alle gefährdeten Arten zu erfassen, nach dem Grad ihrer Gefährdung einzuordnen und nach Möglichkeit zu schützen. Die IUCN führt auf ihrer Webseite eine Rote Liste, in der sich die Organisation bemüht immer mehr Arten zu erfassen und einzuordnen. Diese Einordnungen stellen gleichzeitig eine wichtige Grundlage für den internationalen Artenschutz durch das Washingtoner Naturschutzabkommen dar. Doch selbst diese Organisation vermag es nicht die Artenfülle auf unserem Planeten zu erfassen.

Das Zentrum der Artenvielfalt

Wenn man wissen will, welche Tierarten selten sind muss man sich zunächst Gedanken darüber machen, in welchen Tiergruppen die größte Artenvielfalt zu finden ist. Hierbei sind die, in dne Medien so stark vertretenen, Wirbeltiere eine sehr kleine Gruppe. Alle Säugetiere, Vögel, Fische, Reptilien und Amphibien zusammen ergeben eine Artenzahl von rund 68.000. Alle bekannten Käfer, Fliegen, Schmetterlinge und die Hautflügler, zu denen Bienen Wespen und Ameisen gehören, ergeben zusammen rund 890.000. Dies ist die 13fache Anzahl von Arten. Wenn man sich nun vor Augen führt, dass solche kleinen Tiere einer Veränderung ihres Lebensraums kaum entkommen können, wird sofort offensichtlich, dass unter diesen Tieren wesentlich mehr Arten gefährdet sein müssen, als es bei allen Wirbeltieren zusammen der Fall ist. Doch auch diese Erkenntnis trifft nicht den Kern dieser Fragestellung.

Wie viele Arten sind erforscht?

Eine Art im wissenschaftlichen Sinne sagt nur aus, dass jemand ein solches Tier gefunden, in der Regel gefangen, es als Präparat zum Nachweis seiner Existenz und für eine tiefgründigere Untersuchung seines Aussehens einem Museum übergeben, und im Zuge einer wissenschaftlichen Arbeit ihm einen wissenschaftlichen Namen gegeben hat. Dieses Vorgehen ist unverzichtbar, jedoch dient es lediglich dazu um diese Art formal zu erfassen. Hierbei lernt noch niemand etwas über das Verhalten oder andere Aspekte des Lebens dieses Tieres und erst recht nichts über die Anzahl der lebenden Individuen. Aufgrund der Schwierigkeiten solche Arten zu finden, ist es oft unmöglich etwas über die Häufigkeit oder Seltenheit auszusagen.

Eine Tatsache ist letztlich auch, dass es unter den Insekten eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Arten gibt, welche nur von einem einzigen Exemplar, welches dann in einer wissenschaftlichen Sammlung aufbewahrt wird, bekannt sind. Ein noch extremerer Fall ist die Fliege Marleyimyia xylocopae aus Südafrika. Diese Art wurde 2015 beschrieben und sorgte unter Experten für großes Aufsehen. Entgegen der Praxis zumindest ein Belegexemplar, einen sogenannten Holotypus, zu sammeln, gelang es den Entdeckern nur ein einziges Foto von dieser Art zu schießen. Bis heute ist nichts weiter über dieses Tier bekannt und es kann gleichermaßen in Massen an einem Versteckten Ort leben oder bereits das letzte Exemplar ihrer Art gewesen sein. Noch extremere Fälle gibt es bei Tiefsee-Expeditionen. Hier passiert es sogar, dass ein einzelner Mensch eine neue Art nur sieht und nicht einmal sagen kann, zu welcher Gruppe sie gehört.